14.12.2011:

Supervisionsgruppe Klinik Weißenau, Ravensburg
„Kellerkinder“ ein Integratives Theatertherapiekonzept

Kellerkinder als sozialpädagogisches Konzept von Johannes Galli

(vgl. Artikel)
Präsentation:  Dipl. Psych. Christiane  Beyer

Kellerkinder als Integratives Theatertherapiekonzept

Präsentation: Fachtherapeutin  Dr. Alexandra Frey

Kellerkinder als integratives Therapiekonzept gestaltet sich als sehr differenzierter therapeutischer Vorgang. Hier wird ein kurzer Einblick gegeben in die wesentlichen Therapieformen, die im Prozess eine Rolle spielen.

I. Tanz- und Bewegungstherapie

Verbunden mit den Namen: Rudolf Laban, Isodora Duncan, Mary Wigman
Tanz ist hier verstanden als Gegenwartsbekenntnis
Tanztherapeutinnen: Trudi Schoop (1903-1999) Elke Wilke (DGT)
Improvisation und Ausdruck von Gefühlen stehen hier im Focus.
„Bewegung bewegt“
Lilian Espernak erstellt die erste diagnostische Methode. Sie verbindet Gefühle und Körperteile. Auf sie geht der Movement Diagnostic Test zurück.

Der geschützte Raum als Lernort:
  • Kontaktbrücken
  • Einfühlungsvermögen
  • Bewegungsempathie
  • Die Rolle der Gruppe – heilend und persönlichkeitsfördernd; Wagnis sich dem Unbewußten zu öffnen
  • Soziale Kompetenz und Sozialenergie (Interesse aneinander; Identifikation; Empathie; Angst überwinden; Umgang mit Widerstand und Aggression)
  • Gefühlsbereiche (wieder) zugänglich zu machen
Methoden:
  • Tanztechnik
  • Nachahmung
  • Improvisation
  • Gestaltung
II. Psychodrama

Jacob Levi Moreno (1890-1974)

Ursprünglich ein handlungsorientierter Gegenentwurf zur Psychoanalyse Freuds heute als psychodramatischer Ansatz in der Gruppen- und Einzeltherapie etabliert und von zahlreichen Therapieschulen, z.B. Gestalttherapie, Familientherapie etc. integriert.

  1. In der Gruppe durch die Gruppe für die Gruppe gestaltet der Patient/Klient sein therapeutisches Thema im „Hier-und Jetzt“ auf einer psychodramatischen Bühne.
  2. Im Fall der Kellerkinder sucht sich der Protagonist seine Hilfs-Ichs selber heraus. Die Zuschauer lassen sich vom Spiel des Protagonisten berühren, sind empathisch und greifen mit Unterstützung des Leiters/Leiterin in das Geschehen ein, besonders bei der Gestaltung der „richtigen“ Fragestellung.
  3. Ziel ist hier die Aktivierung und Integration von Spontaneität und Kreativität. Ziel ist es u.a. für eine bereits bekannte Situation eine angemessene Reaktion oder Handlungsfreiheit zu bekommen.
  4. Vignetten: Bewerbungsgespräch, unerwarteter Besuch, Gespräch mit dem Chef, dem Partner, den Eltern …
Techniken
  • Szenenaufbau
  • Szenische Aktion
  • Rollenspiel
  • Szenenwechsel und szenische Interaktion
  • Sharing
  • Rollenfeedback
  • Identifikationsfeedback
Spielarten des Psychodramas, die hier eine Rolle spielen
  • Systemisch orientiertes Psychodrama
  • Humanistisches Psychodrama
III. Gestalttherapie

Hauptvertreter: Fritz und Laura Pearls und Paul Goodman in USA, in Deutschland Hilarion Petzold.
Sie vertreten ein hermeneutisch- phänomenologisch ausgerichtetes, erlebnisaktivierendes Psychotherapieverfahren.

  • Gestalt – Kontakt und Feld, Ganzheit
  • Konzentration – Gewahrsein und Achtsamkeit
  • Existenzialismus – Dialog und Ich-Du Beziehung
IV. Therapeutisches Theater

Vladimir Iljine

Technik in der Psychotherapie bzw. Soziotherapie

Methodisches Instrumentarium sind Begriffe aus der Bühne: Rolle , Szene,  Drehbuch,  Inszenierung und werden auf komplexe soziale Situationen und sich wiederholende Standartsituationen im Alltag und Beruf übertragen.

  • innere Drehbücher
  • sich-in-Szene-setzen
  • Erlaubnis  in Bildern zu sehen und zu denken
  • Finden von Interventionen für den Alltag
  • Recourcenorientierung
  • Lösungsorientierung
  • Reduktion von Komplexität

Bühne ist ein Aktionsraum der z.B.  durch Stühle definiert wird. Intrapsychische Konflikte kommen hier nicht zu Sprache, siehe Psychodrama.

V. Sozialtherapeutisches Rollenspiel

Adelheid Stein

orientiert sich an den Handlungsstrategien der Sozialarbeit/Sozialpädagogik

  • Wahrnehmungszentrierte Spiele zur Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Gruppenzentrierte Spiele – Sozialkompetenz
  • Problemzentrierte Spiele – Handlungskompetenz

Es geht um psychosoziale Behandlungs- und Reifungshilfe, gegenwartsbezogen und an Regeln gebunden. Die Gruppe hat hier die zentrale Bedeutung. Es geht um Wachsen und Lösen mit Betonung eines Realitätsaspektes. Der Spielcharakter betont mit dem Ziel der Erweiterung des Verhaltensrepertoirs und der ganzheitlichen Entwicklung (Nachreifung) der ganzen Persönlichkeit.

VI. Systemische Therapie

Viele Gründer, viele Orte.

Wichtige Begriffe und Namen:
Mailänder Modell, Mara Selvini Palazzoli, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Juliana Prata, unterstützt von Paul Watzlawick, Virginia Satir

Familienskulptur, Familienrekonstruktion, womit biographische Muster und transgenerationale Fragestellungen entdeckt und bearbeitet werden.

Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen

  • Stierlin Helm, Heidelberger Schule
  • Insa Sparrer,  Mathias Vargas v. Kibed München

Der historisch aus der Familientherapie entwickelte Ansatz sieht das System – auch eine Firma – als Ressource, auf dem  das einzelne Mitglied aufbauen, aber auch Defizite und Störungen entwickeln kann. Der Symptomträger ist oft nicht die Ursache, sondern Abbild des Konfliktes im System. Lösungsfokussierter Ansatz.

VII. Ego-State-Therapie

Methode aus der Traumatherapie John und Helen Watkins.

Um Schmerz- und Angstgefühle abzuwehren, teilen Menschen in besonderen Situationen ihre Persönlichkeit in sog. Ego-States (Ich-Anteile) auf. Diese Ego-states können ein Eigenleben entwickeln mit eigenen Gefühlen und mit Gedanken. Ziel ist es den Betroffenen zu unterstützen die Verbindung zwischen den Ich-Anteilen wieder zu verbessern und in Richtung ganzheitlicher Persönlichkeit sich zu bewegen.

  1. Gesunde Ich-Anteile sind Aspekte des inneren Teams, sind Aspekte die klar bewusst gelenkt werden können. Z.B. Kompetenter Fachmann/Fachfrau, guter Gastgeber/ gute Gastgeberin
  2. Ungesunde integrierte Anteile
    Übergangsbereich zwischen integrierten Anteilen und abgespaltenen Anteilen, z.B. Müdigkeit.
    Eine schlecht angepasste Struktur soll verborgen bleiben.
    Kann dem Widerstand im weitesten Sinne zugeordnet werden.
    Umgang mit Schutzmechanismen.
  3. Abgespaltene Ich-Anteile.
  4. Verfolger, Täterintrojekte, Mittäter-Introjekte (Loyalität), täteridentifizierte Anteile. Diese Anteile sind oft abgespalten und unterliegen nicht der Ich-Kontrolle. In Reinform tritt kein Ich-Anteil auf. Introjekte bestehen nicht darauf zu bleiben, sie können sich änden.
  5. Ziele
    • Stressreduktion
    • Energie wieder auf die Gestaltung eines erfüllten Lebens auszurichten
    • Persönlichkeitsanteile verbinden und besser abstimmen lernen
    • Integration des Ich-Anteil in das innere Team
    • Akzeptanz und Annahme von inneren Anteilen
  6. Methoden
    • Innere Sicherheit schaffen
    • Ressoucen klären
    • stabilisieren
    • Erfahrung integrieren, Persönlichkeit und Idendität festlegen